Für viele Imkerinnen und Imker ist es ein wichtiges Ziel, den eigenen Wachskreislauf zu erhalten und das aus der eigenen Imkerei stammende Wachs wieder als Mittelwände verwenden zu können.

Während größere Wachsumarbeiter häufig erst ab Mengen von 15 bis 20 Kilogramm arbeiten, gibt es mittlerweile auch Anbieter, die kleinere Wachsmengen verarbeiten. Dies ist besonders für Hobby- und Kleinimkereien interessant, die ihr eigenes Wachs nicht mit größeren Mengen anderer Herkunft vermischen möchten.

Ein Beispiel hierfür ist die Mittelwandmanufaktur Diehm in Waldburg, die sich auf die Verarbeitung kleinerer Wachsmengen spezialisiert hat. Mit einer entsprechend ausgelegten Anlage können Wachsmengen von etwa 6 bis maximal 30 Kilogramm pro Charge verarbeitet werden.

Verarbeitung des Wachses

Bevor aus dem Rohwachs neue Mittelwände entstehen, durchläuft das Wachs jedoch mehrere Verarbeitungsschritte.

Im ersten Schritt wird das Wachs von sichtbaren Verunreinigungen befreit. Dazu gehören beispielsweise Bienenreste, Pollenrückstände oder andere Fremdstoffe.
Das flüssige Wachs wird über geeignete Filtersysteme gereinigt und anschließend durch einen Klärprozess weiter aufbereitet. Ziel ist es, möglichst sauberes und homogenes Wachs für die weitere Verarbeitung zu erhalten.

Ein weiterer wichtiger Schritt ist die thermische Behandlung. Dabei wird das Wachs erhitzt, um mögliche Krankheitserreger zu reduzieren.
Durch eine entsprechende Temperaturführung können beispielsweise Erreger von Nosema und Kalkbrut abgetötet werden. Um die Sporen der Amerikanischen Faulbrut sicher zu bekämpfen, ist eine Behandlung des Wachses bei etwa 130 °C über einen Zeitraum von rund 30 Minuten erforderlich.

Erst nach der Reinigung und thermischen Behandlung wird das Wachs zur Herstellung von Mittelwänden verwendet.

Herstellung der Mittelwände

Das aufbereitete Wachs wird mit einer Temperatur von etwa 72 °C in eine Mittelwandgießmaschine eingebracht.

Dort läuft das flüssige Wachs zwischen zwei gekühlten und mit der Wabenstruktur versehenen Walzen hindurch. Dabei entsteht ein kontinuierliches Wachsband mit der typischen Zellprägung der Mittelwand.

Anschließend wird das Wachsband auf die benötigte Breite zugeschnitten und durch ein Schneidsystem auf die gewünschte Länge gebracht.

 

Vorteile der Verarbeitung von Eigenwachs

Die Verarbeitung des eigenen Wachses zu Mittelwänden bietet mehrere Vorteile:

  • Der eigene Wachskreislauf bleibt erhalten
  • Die Herkunft des Wachses ist bekannt
  • Fremdwachseinträge können vermieden werden
  • Besonders kleine Imkereien können auch geringe Wachsmengen sinnvoll verarbeiten lassen

Ein geschlossener Wachskreislauf ist ein wichtiger Bestandteil einer nachhaltigen Imkerei und trägt dazu bei, die Qualität und Sicherheit des verwendeten Bienenwachses langfristig zu erhalten.

Welches Wachs eignet sich zur Herstellung von Mittelwänden?

Nicht jedes Bienenwachs ist hinsichtlich seiner Qualität und möglichen Belastungen gleich. Besonders wertvoll für die Herstellung von Mittelwänden ist sogenanntes Deckelwachs.

Deckelwachs entsteht direkt durch die Bienen beim Verdeckeln reifer Honigzellen. Da es nicht über längere Zeit im Wabenkreislauf verbleibt, weist es in der Regel die geringste Belastung mit Rückständen wie Umweltgiften, Pflanzenschutzmitteln oder Varroabehandlungsmitteln auf. Aufgrund dieser besonderen Reinheit gilt Deckelwachs als besonders hochwertiger Rohstoff für die Mittelwandherstellung.

Grundsätzlich kann jedoch auch anderes Bienenwachs zur Umarbeitung verwendet werden. Bei unbekannter Herkunft oder bei Verdacht auf mögliche Belastungen kann eine Wachsuntersuchung sinnvoll sein. Diese lohnt sich allerdings vor allem bei größeren Wachsmengen, da die Kosten einer Analyse je nach Umfang und untersuchten Stoffgruppen bis zu etwa 100 Euro betragen können.

Vor einer Untersuchung muss festgelegt werden, auf welche Rückstände das Wachs geprüft werden soll. Bei Bienenwachs können insbesondere drei Belastungsbereiche von Bedeutung sein:

Mögliche Rückstände im Bienenwachs

  1. Umweltbedingte Belastungen
    Hierzu zählen Rückstände, die durch allgemeine Umweltbelastungen in den Wachskreislauf gelangen können.
  2. Pflanzenschutzmittel aus der Landwirtschaft
    Bienen können über Nektar und Pollen Rückstände verschiedener Pflanzenschutzmittel aufnehmen. Dazu gehören beispielsweise Insektizide und Fungizide, die bei der Behandlung landwirtschaftlicher Kulturen eingesetzt werden.
  3. Rückstände aus der imkerlichen Betriebsweise
    Auch imkerliche Maßnahmen können Einfluss auf die Wachqualität haben. Dazu gehören beispielsweise Rückstände von Varroabehandlungsmitteln oder Mitteln zur Wachsmottenbekämpfung.

 

Untersuchungskosten und Förderung

Die Kosten für einzelne Rückstandsuntersuchungen beginnen bei etwa 80 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer. Teilweise werden solche Untersuchungen durch EU-Förderprogramme unterstützt, wodurch sich die tatsächlichen Kosten für Imkerinnen und Imker reduzieren können.

 

Verarbeitung von Wachs aus Bioland-Imkereien

Auch die Verarbeitung von Wachs aus Bioland-Imkereien ist möglich. Voraussetzung ist, dass die Anforderungen an die getrennte Verarbeitung und Dokumentation eingehalten werden.

Ein wichtiger Punkt ist dabei die Vermeidung von Produktvermischungen. Der Verarbeiter muss sicherstellen, dass zwischen den einzelnen Wachspartien keine Vermischung stattfindet. Eine gründliche Reinigung der Verarbeitungsanlage nach jedem Arbeitsgang sowie eine nachvollziehbare Dokumentation der Arbeitsabläufe sind hierfür entscheidend.

Zusätzlich müssen Bioland-Imkerinnen und -Imker die Qualität und Herkunft ihres eingesetzten Rohwachses selbst dokumentieren und sicherstellen, dass die entsprechenden Vorgaben eingehalten werden.

 

Fazit

Hochwertiges Bienenwachs ist eine wichtige Grundlage für einen gesunden Wachskreislauf in der Imkerei. Besonders reines Deckelwachs eignet sich hervorragend für die Herstellung von Mittelwänden. Eine sorgfältige Auswahl des Wachses, eine kontrollierte Verarbeitung und bei Bedarf entsprechende Untersuchungen tragen dazu bei, die Qualität des Wachses langfristig zu erhalten.

Mittelwandmanufaktur Diehm
Fasanenweg 8/1
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